Projekt#2: Hüft-OP Mara

Im Bezug auf ein Tier von einem „Projekt“ zu reden, ist immer eine unfeine Sache. In Maras Fall müssen wir leider von einem „Langzeitprojekt“ sprechen, da die gerade einmal ca. 11 Monate alte Hündin auf Grund schlimmer Fehlbildungen zwei neue Hüften benötigt. Wir haben mit unserem Sorgenkind, das zusammen mit seinen Geschwistern in Rumänien auf dem Müll gefunden wurde, auch die Verantwortung für sie übernommen und uns somit dazu verpflichtet, ihr ein schönes, artgerechtes und gesundes Leben zu ermöglichen. Hierzu müssen wir ihr nun eine gute Basis schaffen, so dass sie sich – zum ersten Mal in ihrem Leben – endlich schmerzfrei bewegen kann. Leider kennen wir die Ursache der Degeneration nicht, jedoch war auffällig, dass Mara sich im Vergleich zu ihren Geschwistern wesentlich langsamer entwickelt hat. Das Gangbild war unrund und stark auffällig und es war offensichtlich, dass Mara starke Schmerzen hatte.

Um Mara, die in Deutschland auf einer Pflegestelle liebevoll betreut wird,  optimal helfen zu können, haben wir Meinungen aus 3 unterschiedlichen Kliniken eingeholt, bei denen 2 Behandlungsoptionen diskutiert wurden:

  1. Femurkopf-Hals-Resektion: Bei der Methode werden Oberschenkelkopf und -hals entfernt. Es bildet sich mit der Zeit ein „Pseudogelenk“, das durch bindegewebige Strukturen und Muskulatur stabilisiert wird. Da bei dieser Operation das Hüftgelenk unwiederbringlich entfernt wird und ein späterer Hüftgelenkersatz kaum noch möglich ist, muss die Methode als Notlösung angesehen werden1. Würde bei dieser Option etwas nicht optimal laufen, wird auch Mara nie wieder richtig gehen können.
  1. Künstliches Hüftgelenk: Der Ersatz des erkrankten Hüftgelenkes durch eine Endoprothese ist eine sinnvolle und erfolgsversprechende Therapie. Hierbei werden sowohl Gelenkpfanne als auch Gelenkkopf durch Implantate aus Titan und speziellen Kunststoffen ersetzt. Bei deutlicher Lahmheit des Hundes sollte mit dem Gelenkersatz nicht allzu lange gewartet werden, da die Erfolge bei einem geringen Abbau der umliegenden Muskulatur deutlich besser sind.

In der letzten Woche wurden bei einer finalen Untersuchung in der Tierklinik Ahlen auch Maras Vorderläufe untersucht, denn nur wenn diese in Ordnung sind, kann überhaupt operiert werden. Die Untersuchung ergab ein positives Ergebnis und somit haben wir uns nach intensiver Beratung und Abwägung für die sehr teure Option der künstlichen Hüftgelenke entschieden, denn eben weil Mara noch so jung ist denken wir, dass dies die beste Lösung für sie und ihre Familie ist.

In solchen oder ähnlichen Fällen wird auch gerne die Methode der Goldimplantate gewählt, doch leider sind bei Mara beide Hüften komplett luxiert (s. Röntgenbild), wobei die Oberschenkelknochen-Köpfe sich außerhalb der Pfanne befinden und die Muskulatur so verkrampft war, dass die Hinterbeine selbst unter Narkose nicht auseinander genommen werden konnten. Keine der drei aufgesuchten Kliniken zog die Methode der Gold-Implantation in Betracht, denn Maras Hüften sind auf das Schlimmste degeneriert und alle Ärzte sahen nur die beiden oben genannten Möglichkeiten. Niemand hat sich diese Entscheidung leicht gemacht und wir hätten unserem Sorgenkind so gern diese Strapazen erspart. Da sie so jung ist, sind die Endoprothesen (nach Beendigung des Wachstums) ihre große Chance, ein normales Leben führen zu können.

Da eine Operation möglich ist, wurden in einem ersten Schritt Nerven durchtrennt (Denervation), wodurch das Schmerzempfinden in den Hüftgelenken reduziert wurde und Mara bis zur finalen OP schmerzfrei ist. Der eigentliche Eingriff für das künstliche Hüftgelenk kann erst in ein paar Monaten stattfinden, da sich hierfür die Wachstumsfugen komplett schließen müssen.

Derzeit lebt unsere kleine Patientin zusammen mit ihrer Schwester Luna bei ihrer tollen Pflegemama, die sich rührend um sie kümmert und bei der die fröhliche Hündin jeden Moment genießt. Seitdem sie laufen kann leidet Mara unter extremen Schmerzen, mit denen sie sich arrangieren musste. Wir dürfen an dieser Stelle nicht vergessen, dass Hunden der Drang zum Laufen angeboren ist und Mara diesem Drang nie mühelos nachgehen konnte. Nun erlebt sie dank des ersten Eingriffes und aller erdenklichen alternativen Möglichkeiten das erste Mal eine schmerzfreie Zeit, in der sie bereits mit Physiotherapie im Wasser begonnen hat, um ihre Muskulatur zu stärken und den gesamten Bewegungsapparat wieder ein wenig geschmeidiger zu machen. Durch ihre Erkrankung trägt Mara ihr gesamtes Gewicht primär auf ihren Vorderbeinen und durch die konstante Fehl-/ und Schonhaltung hat sich ihr Körper bereits verformt, was sich beim Laufen mit Katzenbuckel bemerkbar macht.

All diese Maßnahmen und Untersuchungen belaufen sich aktuell auf einen Betrag von ca. 2.250,- Euro und für die beiden neuen Hüften rechnen wir mit Kosten in Höhe von ca. 7.000,- bis  8.000 Euro. Wir freuen uns darauf, Maras Weg in eine schmerzfreie und schöne Zukunft zu ebnen, doch können wir als Verein die anfallenden Rechnungen leider nicht ohne Unterstützungen durch Spenden decken…

In den unten aufgezeigten Videos sieht man deutlich Maras Gangbilder im Vergleich vor und nach der Denervation:

Vorher läuft sie sehr unrund und unter starken Schmerzen:

https://youtu.be/ry9nLU7MXEw
und
https://youtu.be/yvyb1JQ-Rgk

Nachher zum ersten Mal schmerzfrei:

https://youtu.be/fS5GIrRj8Rc
und
https://youtu.be/K4bSm9y_Zd8

 

1http://www.kleintierspezialisten.de/infothek/orthopaedische-chirurgie/hueftgelenkdysplasie-hd