BILLY – ca. 3 Jahre

BILLY – ca. 3 Jahre

Baia Mare, Rumänien. Als wir im November das öffentliche Shelter in Baia Mare besuchen, entdecken wir bei unserem ersten Rundgang Billy. Der verängstigte Bub steht auf dem Dach seiner Hütte und als wir uns nähern, würde er am liebsten im Erdboden versinken, er weiß nicht wohin mit seinem Blick. Ich versuche, ihn mit warmen Worten etwas zu beruhigen und tatsächlich lassen sie ihn nicht kalt.  Langsam hebt er den etwas den Kopf und schaut uns an. Um direkt den Kopf wieder zu senken.

Wir versuchen ihn mit Leckerlis abzulenken, bei den meisten Hunden hier zeigt das Wirkung, nicht so bei Billy. Zitternd bleibt er auf seiner Hütte sitzen und verharrt dort lange Zeit.

Das einzige, was wir von Billy wissen, ist dass er von den Hundefängern gebracht wurde. Sie haben ihn mit einer Betäubungsspritze schießen müssen, da er sich nicht von ihnen mitnehmen ließ, er muss Todesangst gehabt haben. Er spürte noch den Einschuss, dann war es dunkel. Als er dann wieder zu sich kommt und seine Augen öffnet, findet er sich hier wieder. Es ist nass und kalt. Um ihn herum lautes Gebell, Hunde kämpfen miteinander, es stinkt. Überall Urin, Dreck und Kot. Die Hütte, in der er aufwacht, ist angefressen und splittert zum Teil. Gerne würde er hinaus, um zu schauen was da los ist. Aber er traut sich nicht. Also bleibt er drinnen. Den ganzen Tag und die ganze Nacht.

Am Morgen dann fasst er sich ein Herz. Es gibt Futter und er ist hungrig. Er wagt sich nach draußen. Billy hat Glück, die Mitbewohner in seinem Kennel sind freundlich und lassen ihn in Ruhe fressen. Glück gehabt – wenigstens etwas. Doch so ein Tag im Shelter ist lang und über all die Stunden des langen Tages zeigt sich, dass die Fütterungszeit das Highlight des Tages war. Zwar sind die anderen Hunde, mit denen sich Billy fortan seinen Kennel teilen muss, nett zu ihm, aber nur solange Billy im Hintergrund bleibt. Nähert sich jemand dem Kennel, so muss Billy hinten anstehen, während die anderen sich vorne am Gitter in den Vordergrund drängen. Alle buhlen hier um die Aufmerksamkeit der Menschen. Alle wollen gesehen werden. Alle wollen raus. Billy sieht, dass er hier keine Chance hat. So sucht er sich seinen eigenen Platz: das Dach seiner Hütte. Hierhin zieht er sich immer wieder zurück um mutterseelenallein zitternd in der Ecke zu kauern. Es ist so traurig, ihn so zu sehen.

Erst wenn es dunkel wird, traut er sich wieder herunter und zieht sich in die letzte Ecke der Hütte zurück. Um wieder nicht gesehen zu werden.

Siehst du Billy? Einen süßen Hundebub, der gar nicht weiß, wie hübsch er ist. Der nicht weiß, was Liebe ist, Wärme, Vertrauen. Willst du es ihm zeigen? Zeigen, dass es sich lohnt durchzuhalten? Zeigen wie schön die Welt da draußen sein kann? Das hinter allen schwarzen Wolken wieder gute Zeiten warten?

Unser Billy hat mit seinen knapp 3 Jahren schon viel Schlechtes erlebt. Mit Menschen hat er höchstwahrscheinlich auch sehr schlechte Erfahrungen gemacht. Mit einer Größe von etwa 45 – 50 cm zählt er zu den mittelgroßen Hunden und sollte dringend zunehmen.

Der verängstigte Rüde reist kastriert, gechipt, geimpft, entwurmt und entfloht und besitzt einen EU- Heimtierausweis. Er wird nur nach positiver Vorkontrolle gegen eine Schutzgebühr von 375 Euro vermittelt.

Wer nimmt Billy seine Angst? Wir machen uns große Sorgen um den schönen Buben.

„Es geht nicht immer geradeaus, manchmal geht es auch nach unten. Und das wonach du suchst, hast du noch immer nicht gefunden. Die Jahre ziehen im Flug an dir vorbei. Die Last auf deinen Schultern schwer wie Blei…“     (Udo Lindenberg)

Vielen Dank Angelika K.! Du hast Billy seinen Namen und damit eine Identität geschenkt!
Und vielen Dank Kerstin M.! Du hast für Billy eine monatliche Patenschaft übernommen und begleitest ihn so auf seinem Weg!