Stellungnahme zum Zeitungsartikel „Hamburger Tierärzte warnen vor Handel mit Straßenhunden“ vom 25.03.2019
Liebe Streunerfans,
 
einige von euch haben uns auf den Artikel des Hamburger Abendblatts aufmerksam gemacht. Da hier Sachverhalte falsch geschildert und Ängste geschürt werden, wichtige Hintergrund-Informationen oberflächlich und schlecht recherchiert wurden und die Hauptaussage des Artikels (nämlich keine Hunde aus Osteuropa zu adoptieren) ziemlich deutlich rüber kommt, wollen wir hierzu stellvertretend für alle seriösen Vereine, die die Hunde legal ausreisen lassen, Stellung nehmen.
 
Hier der Link zum Artikel: https://www.abendblatt.de/hamburg/article216741647/Hundehandel-in-Hamburg-unter-dem-Deckmantel-des-Tierschutzes.html
 
Was wir dazu zu sagen haben:
 
1. Hunde, die über eine seriöse Organisation vermittelt werden und somit legal ausreisen, bringen weder Staupe noch Parvovirose nach Deutschland. Diese lassen ihre Tiere nämlich dagegen impfen. So wie auch wir. Alle Hunde erhalten die Standard 5-fach Impfung gegen Parvovirose, Staupe, HCC, Parainfluenzia und Leptospirose. Diese vollumfängliche Impfung ist auch Pflicht seitens der meisten Veterinärämter.
 
2. Tollwut ist eine international zwingend notwendige Impfung, die Hunde und Katzen erhalten müssen, um legal einreisen zu dürfen. Ein Hund/eine Katze darf ab der 12. Woche gegen Tollwut geimpft werden und nach einer Karenzzeit von 21 Tagen ausreisen. Alle Tiere, die unter dieser zeitlichen Vorgabe eingereist sind, sind also in jedem Fall illegal ausreist. Für nichtgelistete Drittländer gilt sogar noch eine längere Frist, hier müssen die Tiere mind. 7 Monate alt sein. Das sind Länder wie z.B. die Türkei.
 
3. Lungen- und Herzwürmer (Dirofilariose) sowie Leishmaniose oder andere Mittelmeerkrankheiten können mittlerweile überall vorkommen. Auch in Deutschland leben aktuell ca. 20.000 Leishmaniose-Hunde – und das sehr gut. Es gibt nämlich gute Möglichkeiten dem Hund ein langes und glückliches Leben zu bieten, trotz Leishmaniose. Die anderen sogenannten Reisekrankheiten wie z.B. Ehrlichiose, Anaplasmose, Borreliose, Babesiose werden von den meisten Organisationen vorab mit einem Snap-Test (Schnelltest) getestet. Dieser ist natürlich nie so aussagekräftig wie ein Bluttest. Daher raten wir und andere seriöse NGOs ihren Familien immer dazu, nach Ankunft des Tieres so einen Bluttest in Deutschland zu machen. Alle Krankheiten können gut behandelt werden wenn sie rechtzeitig bekannt werden. Und sie stellen keine große Gefahr für Hund und Menschen dar. Die Übertragung von Leishmaniose auf den Menschen ist sehr selten und auch nur unter bestimmten Voraussetzungen überhaupt möglich. Die Leishmanien befinden sich nämlich nicht im Blut sondern z.B. in der Milz oder anderen Organen. Wer hierzu weitere Informationen nachlesen möchte, kann dies im Detail bei uns auf der HP tun: https://www.einherzfuerstreuner.de/wichtige-informationen/mittelmeerkrankheiten/
 
4. Deutsche Tierheime sind voll, warum einen Hund aus dem Ausland? Auch wir hören diesen Satz immer wieder. Wir haben viele gute Kontakte zu deutschen Tierheimen und sind froh, dass diese auch Tierschutz betreiben und die Augen nicht verschließen. Tierschutz hört nicht an der Grenze auf. Die deutschen Tierheimen haben große Nachfragen nach Hunden, die oft nicht bedient werden können. Denn in der Regel sitzen alte, kranke oder schwer vermittelbare Hunde in den Tierheimen. Das ist unserer Meinung nach ein Problem, dass unverantwortliche deutsche Hundehalter verursachen – nicht seriöse Organisationen und nicht die Tierheime! Und wenn diese dann Kapazitäten haben und helfen wollen, finden wir das absolut bemerkenswert und unterstützenswert. Unser Respekt gilt hier den Tierheimen, die auch Auslandstierschutz betreiben.
 
5. Zitat aus dem Bericht: „Letztlich wird mit der Vermittlung der Hunde gegen Schutzgebühren in Höhe von 200 bis 400 Euro über die Mitleidskomponente ein Geschäft abgewickelt“. Legale Organisationen wickeln nicht über die Mitleidskomponente Geschäfte ab, sondern sie vermitteln gut und nachhaltig ihre Tiere. Eine Schutzgebühr, die einen Teil der anfallenden Kosten trägt und auch ein Schutzvertrag gehören selbstverständlich dazu. Und die Organisation, die auch was verändern wollen, investieren das Geld dann ohnehin in Kastrationskampagnen vor Ort, die Unterbringung und die medizinische Betreuung der Hunde und Katzen vor Ort in Rumänien oder anderen Ländern.
 
6. Eine Kastration kostet nur 11 Euro. Wo genau? Wir zahlen in Bistrita, Baia Mare und Cluj, Rumänien 20 – 50 Euro pro Kastration. Das ist immer noch ein günstiger Betrag. Und daher machen wir auch regelmäßige Kastrationskampagnen, die monatlich von unseren Tierärzten umgesetzt werden, sowie groß angelegte Kampagnen über 2-3 Tage mit bis zu 50 Tieren am Tag.
 
7. Zitat aus dem Bericht: „Da steckt eine ganze Industrie dahinter – am Hundehandel verdienen viele Menschen“
Auch hier fehlt einfach der Zusatz, dass es sich um unseriöse Händler handelt. Ja, diese Menschen gibt es sicher. Wir wissen von diesem Leid und wir spüren immer wieder, dass diese Menschen auch seriösen Tierschutz kaputt machen können, weil man den Menschen das Vertrauen nimmt. Eine gemeinnützige Organisation verdient an Vermittlungen keinen Cent. Oft muss noch Geld drauf gelegt werden. Die durchschnittlichen Kosten pro Hund liegen bei uns bei etwa 800 Euro. Bei einer Schutzgebühr von 225 – 375 Euro dann sich jeder das Defizit, das zu 100% über Spenden gedeckt werden muss, ausrechnen.
 
 
Diese Art von Zeitungsberichten sind dafür verantwortlich, dass Menschen Berührungsängste mit Tierschutzvereinen bekommen. Unser Tipp: Wenn ihr, vor allem bzgl. der Impfungen, keine kompetente Antwort erhaltet und es keinen EU-Heimtierausweis mit allen eingetragenen Impfungen gibt, lasst die Finger von einer Adoption. Ja, es gibt viele schwarze Schafe, die man nicht unterstützen darf. Es werden immer noch schwer kranke, nicht geimpfte Welpen verkauft. Auch wenn die Hunde noch so süß sind – unterstützen Sie bitte keine unseriösen Händler, denen es tatsächlich nur ums Geld geht.
 
Wir würden uns wünschen, dass in solchen Berichten die wertvolle Arbeit der Tierschutzvereine mehr geschätzt und überhaupt erwähnt wird. Es gibt nicht nur schwarz und weiß und nur eine Seite des Ganzen zu betrachten ist einfach Hohn. Denn am Ende schadet man damit den Tieren.
 
Es muss vielmehr darüber aufgeklärt werden, woran man gute und schlechte Vereine erkennen kann! Was unterscheidet die beiden voneinander? Welche Kriterien gibt es wonach man gehen kann? Gibt es eine Checkliste oder ähnliches? Aufklärung ist hier gefragt und Differenzierung. Unterstützung der Guten und Kontrolle über die Schlechten.
 
Vielleicht können wir die Redaktion mit vielen Leserbriefen aufmerksam machen, wie viele glückliche und gesunde Hundeseelen schon gerettet werden konnten? Wie viele Hunde die Chance bekamen und nicht elendig sterben mussten? Wenn ihr uns unterstützen möchtet, dann schreibt doch gerne einen Leserbrief:
 
briefe@abendblatt.de
Oder auch telefonisch ist die Redaktion erreichbar: 040/554471031
 
Wir – und sicherlich alle seriösen Vereine – freuen sich über eure positive Stimme zum Thema Auslandstierschutz! Danke für eure Unterstützung!